HCG (Human Chorionic Gonadotropin) 5000 IU

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HCG 5000 I.E. enthält humanes Choriongonadotropin, ein Hormon, das der Körper normalerweise nur in der Schwangerschaft in großen Mengen bildet. Anders als Steroide ist HCG ein Eiweißhormon aus zwei Ketten mit zahlreichen Zuckerresten. Es dockt am selben Rezeptor an wie das luteinisierende Hormon (LH) und regt so Eierstöcke oder Hoden an. In Deutschland ist der Wirkstoff verschreibungspflichtig und vor allem in der Kinderwunschbehandlung zugelassen.

Produktspezifikation

WirkstoffHumanes Choriongonadotropin (hCG; englisch: Human Chorionic Gonadotropin)
WirkstoffgehaltLaut Etikett 5000 I.E. (Internationale Einheiten) pro Durchstechflasche
StoffklasseGonadotropin; Glykoprotein-Hormon (Peptidhormon), kein Steroid
AufbauZwei Untereinheiten: Alpha-Kette mit 92 Aminosäuren (identisch mit LH, FSH und TSH) und hormonspezifische Beta-Kette mit 145 Aminosäuren
MolmasseEtwa 36 bis 38 kDa; rund ein Drittel davon entfällt auf Zuckerketten
CAS-Nummer9002-61-3
HerkunftUrinäres hCG wird aus dem Urin schwangerer Frauen gereinigt; daneben gibt es gentechnisch hergestelltes Choriogonadotropin alfa
ZielrezeptorLH/CG-Rezeptor (LHCGR) in Eierstock und Hoden
DarreichungsformGefriergetrocknetes Pulver (Lyophilisat); bei Fertigarzneimitteln mit Lösungsmittel
ApplikationswegInjektion (in den Muskel oder unter die Haut, je nach Präparat); oral nicht wirksam
HalbwertszeitZweiphasig; die Endphase liegt laut Fachinformationen bei etwa 24 bis 36 Stunden
Zugelassene Anwendungen (DE)Auslösung des Eisprungs bzw. der Eizellreifung in der Kinderwunschbehandlung; je nach Präparat auch hypogonadotroper Hypogonadismus beim Mann und Hodenhochstand im Kindesalter
Wichtigste RisikenOvarielles Überstimulationssyndrom (OHSS), Mehrlingsschwangerschaft, Thrombosen, Brustdrüsenvergrößerung beim Mann, Reaktionen an der Einstichstelle
Packungsgröße[Anzahl Durchstechflaschen – bitte anpassen]
LagerungGemäß Packungsbeilage, häufig gekühlt bei 2 bis 8 °C; vor Licht schützen und für Kinder unzugänglich aufbewahren
Rechtsstatus (DE)Arzneimittel nach AMG und verschreibungspflichtig; in der Anlage zum AntiDopG unter den Peptidhormonen erfasst; laut WADA-Liste für Männer im Sport jederzeit verboten

Alle Angaben in dieser Tabelle dienen allein der Information über den Wirkstoff. Sie ersetzen weder ein ärztliches Gespräch noch eine Beratung in der Apotheke und ist keine Anleitung zur Anwendung.

HCG 5000 I.E. steht für humanes Choriongonadotropin, kurz hCG. Fast jeder Mensch ist diesem Hormon schon einmal begegnet, oft ohne es zu wissen. Ein handelsüblicher Schwangerschaftstest reagiert nämlich genau auf hCG im Urin. In der Medizin hat das Hormon aber noch eine zweite Rolle. Es wird gezielt eingesetzt, um bei Kinderwunsch den Eisprung auszulösen oder um bei Männern die Hoden zu stimulieren.

Dieser Beitrag erklärt Schritt für Schritt, wie hCG aufgebaut ist und wie es im Körper wirkt. Sie lesen außerdem, wofür es in Deutschland zugelassen ist, welche Risiken bekannt sind und welche Mythen sich um das Hormon ranken. Am Ende finden Sie die Rechtslage und Antworten auf häufige Fragen. Vorwissen brauchen Sie nicht, denn Fachbegriffe werden beim ersten Auftreten erklärt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Stoffklasse: ein Eiweißhormon (Glykoprotein) aus der Familie der Gonadotropine, also kein Steroid.
  • Natürliche Aufgabe: hält in der Frühschwangerschaft den Gelbkörper aktiv und sichert so die Versorgung mit Progesteron.
  • Wirkprinzip: bindet an den Rezeptor für das luteinisierende Hormon (LH) in Eierstock und Hoden.
  • Medizinischer Einsatz: vor allem in der Reproduktionsmedizin, daneben bei bestimmten Formen von Hormonmangel beim Mann.
  • Hauptrisiko bei Frauen: das ovarielle Überstimulationssyndrom (OHSS).
  • Rechtslage: verschreibungspflichtig, im Anti-Doping-Gesetz erfasst, für Sportler im Wettkampf und im Training verboten.

Zwei Ketten und viel Zucker

Steroide wie Testosteron sind kleine, fettlösliche Moleküle aus vier Kohlenstoffringen. HCG ist dagegen ein großes Eiweiß. Es besteht aus zwei Bausteinen, die man Untereinheiten nennt. Die Alpha-Untereinheit umfasst 92 Aminosäuren. Die Beta-Untereinheit ist mit 145 Aminosäuren etwas größer. Beide Ketten sind nicht fest verschweißt, sondern liegen eng aneinander wie zwei Puzzleteile.

Bemerkenswert ist, dass die Alpha-Kette kein Alleinstellungsmerkmal hat. Sie kommt in genau dieser Form auch in drei anderen Hormonen vor: im luteinisierenden Hormon (LH), im follikelstimulierenden Hormon (FSH) und im schilddrüsenstimulierenden Hormon (TSH). Was hCG einzigartig macht, ist die Beta-Kette. Deshalb heißt die Messgröße im Labor oft „Beta-hCG“.

Warum der Zucker so wichtig ist

Etwa ein Drittel des Moleküls besteht aus Zuckerketten. Fachleute sprechen von Glykosylierung. Diese Zucker sind kein Beiwerk. Sie schützen das Hormon vor schnellem Abbau und bestimmen, wie lange es im Blut bleibt. Besonders auffällig ist ein Anhängsel am Ende der Beta-Kette, das C-terminale Peptid. Es trägt mehrere zusätzliche Zuckerreste und fehlt beim verwandten LH.

Die Folge ist deutlich messbar. Körpereigenes LH ist nach etwa 20 bis 30 Minuten zur Hälfte aus dem Blut verschwunden. Bei hCG dauert es viel länger. Fachinformationen beschreiben einen zweiphasigen Abbau, dessen langsame Endphase im Bereich von ein bis anderthalb Tagen liegt. Ein Großteil wird schließlich über die Nieren ausgeschieden, was den Urintest überhaupt erst möglich macht.

Einfach erklärt: HCG und LH sind wie zwei Schlüssel mit fast gleichem Bart. Beide öffnen dasselbe Schloss. Der hCG-Schlüssel ist jedoch mit einer dicken Zuckerschicht überzogen, die ihn vor dem Verschleiß schützt. Darum wirkt er viel länger als sein natürliches Gegenstück.

Warum hCG nicht als Tablette funktioniert

Eiweiße werden im Magen und Darm von Verdauungsenzymen zerlegt, genau wie das Eiweiß aus der Nahrung. Ein geschlucktes Hormon dieser Größe kommt deshalb nicht intakt im Blut an. Aus diesem Grund gibt es hCG ausschließlich als Injektionspräparat. Tropfen oder Sprays für die Mundschleimhaut, wie sie im Internet angeboten werden, haben keinen belegten Nutzen. Darauf kommen wir beim Diät-Mythos zurück.

Ein Schlüssel für das LH-Schloss

Im Körper steuert die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) die Keimdrüsen über zwei Botenstoffe, LH und FSH. Diese wirken auf Eierstöcke und Hoden, die dann Geschlechtshormone bilden. Der Rezeptor, an dem LH andockt, erkennt hCG ebenso. Er heißt deshalb LH/CG-Rezeptor. HCG kann also überall dort einspringen, wo normalerweise LH gebraucht wird.

Was im Eierstock passiert

Im Monatszyklus der Frau gibt es um die Zyklusmitte einen kurzen, starken Anstieg von LH. Dieser sogenannte LH-Gipfel lässt die Eizelle ausreifen und löst etwa 36 Stunden später den Eisprung aus. Der leere Follikel verwandelt sich danach in den Gelbkörper, der Progesteron produziert. Ohne Befruchtung geht der Gelbkörper nach rund zwei Wochen zugrunde, und die Monatsblutung setzt ein.

Nistet sich dagegen ein Embryo ein, beginnt sein äußeres Gewebe sofort mit der Bildung von hCG. Dieses Gewebe heißt Synzytiotrophoblast und wird später zur Plazenta. Das hCG signalisiert dem Gelbkörper, weiterzuarbeiten. So bleibt der Progesteronspiegel hoch, und die Gebärmutterschleimhaut wird nicht abgestoßen. Nach etwa zehn Wochen übernimmt die Plazenta die Hormonproduktion selbst, und der hCG-Spiegel sinkt wieder.

Was im Hoden passiert

Beim Mann sitzt der LH/CG-Rezeptor auf den Leydig-Zellen im Hodengewebe. Werden sie angeregt, bilden sie Testosteron. Ein großer Teil davon bleibt direkt im Hoden, wo die Konzentration ein Vielfaches des Blutspiegels erreicht. Dieses lokale Testosteron ist für die Spermienbildung unverzichtbar. Für eine vollständige Spermienreifung braucht es allerdings zusätzlich FSH, das auf andere Zellen, die Sertoli-Zellen, wirkt.

Gleichzeitig steigert hCG im Hoden die Aktivität der Aromatase. Dieses Enzym wandelt einen Teil des Testosterons in Östradiol um. Das erklärt, warum Männer unter hCG manchmal eine empfindliche oder vergrößerte Brustdrüse entwickeln. Studien aus den 1980er-Jahren zeigten außerdem, dass sehr hohe Mengen die Rezeptoren vorübergehend unempfindlich machen können. Mehr Hormon bedeutet also nicht automatisch mehr Wirkung.

Vom Mäusetest zum Teststreifen

Die Geschichte von hCG beginnt in Berlin. Ende der 1920er-Jahre entdeckten die Gynäkologen Selmar Aschheim und Bernhard Zondek eine Substanz im Urin schwangerer Frauen, die die Eierstöcke junger Mäuse anschwellen ließ. Daraus entstand die Aschheim-Zondek-Reaktion, einer der ersten verlässlichen Schwangerschaftstests. Später nutzte man stattdessen Kaninchen oder den südafrikanischen Krallenfrosch, der bei positivem Ergebnis Eier legte.

Schon in den 1930er-Jahren kamen die ersten Arzneimittel auf den Markt, die aus Schwangerenurin gewonnen wurden. Dieses Verfahren gibt es bis heute. Ab den 1970er-Jahren setzten sich Antikörpertests durch, die nur die Beta-Kette erkennen. Sie machten die Tierversuche überflüssig und führten schließlich zum Teststreifen für zu Hause. Seit Anfang der 2000er-Jahre ist in der EU zudem gentechnisch hergestelltes hCG zugelassen, das Choriogonadotropin alfa.

Was „5000 I.E.“ bedeutet

Bei vielen Eiweißhormonen gibt man die Menge nicht in Milligramm an, sondern in Internationalen Einheiten (I.E., englisch IU). Der Grund: Natürlich gewonnenes hCG ist ein Gemisch aus Varianten mit unterschiedlich vielen Zuckerresten. Zwei Präparate mit gleichem Gewicht können daher unterschiedlich stark wirken. Die Einheit wird deshalb über die biologische Aktivität festgelegt, gemessen an einem Referenzstandard der Weltgesundheitsorganisation. 5000 I.E. ist eine in der Medizin seit Langem gebräuchliche Packungsstärke für urinäres hCG.

Wofür hCG in der Medizin eingesetzt wird

Die Zulassungen unterscheiden sich je nach Präparat. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Einsatzgebiete zusammen, wie sie in Fachinformationen und Leitlinien beschrieben werden.

AnwendungsgebietZielEinordnung
Kinderwunschbehandlung (Frauen)Abschließende Eizellreifung und Auslösung des Eisprungs nach hormoneller StimulationHauptanwendung; Standard bei Insemination, IVF und ICSI
Unterstützung der GelbkörperphaseFörderung der Progesteronbildung nach dem EisprungHeute seltener, weil Progesteron direkt gegeben werden kann und das OHSS-Risiko geringer ist
Hypogonadotroper Hypogonadismus (Männer)Testosteronbildung im Hoden anregen; zusammen mit FSH auch die SpermienbildungEtablierte Option, wenn Hypophyse oder Hypothalamus zu wenig LH liefern und Kinderwunsch besteht
Hodenhochstand (Kinder)Abstieg des Hodens in den Hodensack fördernLeitlinien bevorzugen heute die frühe Operation; Hormone spielen nur noch eine Nebenrolle
hCG-Test (Diagnostik)Prüfen, ob die Leydig-Zellen auf Stimulation ansprechenEtwa bei verzögerter Pubertät oder unklarer Hodenlage

Die „Auslösespritze“ in der Kinderwunschklinik

Bei einer künstlichen Befruchtung werden die Eierstöcke zunächst mit FSH-Präparaten angeregt, damit mehrere Follikel gleichzeitig heranwachsen. Per Ultraschall und Blutwerten verfolgt das Team, wann die Follikel groß genug sind. Dann folgt eine einzige Injektion mit hCG. Sie ersetzt den natürlichen LH-Gipfel. Die Eizellentnahme wird zeitlich genau darauf abgestimmt, weil der Eisprung sonst unbemerkt stattfinden würde.

In den letzten Jahren hat sich hier einiges verändert. Bei Frauen mit hohem Risiko für eine Überstimulation verwenden viele Zentren statt hCG einen sogenannten GnRH-Agonisten als Auslöser. Er erzeugt einen kurzen körpereigenen LH-Anstieg, der rasch wieder abklingt. Studien zeigen, dass dies das OHSS-Risiko deutlich senkt.

HCG bei Männern mit Hormonmangel

Nicht jeder Testosteronmangel hat dieselbe Ursache. Liegt der Fehler im Hoden selbst, nützt eine Stimulation wenig. Liegt er dagegen in der Hypophyse oder im Hypothalamus, sind die Hoden oft gesund, bekommen aber kein Signal. Mediziner nennen das hypogonadotropen Hypogonadismus. Hier kann hCG das fehlende LH ersetzen. Gegenüber einer reinen Testosterontherapie hat das einen Vorteil. Die Hoden bleiben aktiv, und die Fruchtbarkeit kann erhalten oder wiederhergestellt werden.

Risiken und Nebenwirkungen

HCG ist ein gut untersuchtes Medikament. Gerade weil es so stark auf die Keimdrüsen wirkt, kann es jedoch ernste Komplikationen auslösen. Die folgenden Punkte stammen aus Fachinformationen und der reproduktionsmedizinischen Literatur.

Das ovarielle Überstimulationssyndrom (OHSS)

Das OHSS ist die bekannteste und gefährlichste Komplikation bei Frauen. Es tritt fast immer nach einer hCG-Gabe auf, wenn zuvor viele Follikel herangewachsen sind. Die Eierstöcke vergrößern sich stark und schütten Botenstoffe aus, allen voran VEGF. Dieser Wachstumsfaktor macht die Blutgefäße durchlässig. Flüssigkeit tritt in den Bauchraum und manchmal in den Brustkorb über.

Leichte Formen äußern sich durch Blähbauch, Spannungsgefühl und leichte Übelkeit. Schwere Verläufe sind selten, aber gefährlich. Das Blut dickt ein, die Nieren werden schlechter durchblutet, und das Risiko für Blutgerinnsel steigt. Tritt eine Schwangerschaft ein, kann sich das Syndrom verstärken, weil der Embryo selbst weiteres hCG bildet. Ein erhöhtes Risiko haben vor allem junge Frauen, Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) und Frauen mit sehr vielen Follikeln.

Warnzeichen, die eine sofortige ärztliche Abklärung erfordern: starke Bauchschmerzen, rasch zunehmender Bauchumfang, Gewichtszunahme um mehr als ein Kilogramm pro Tag, Atemnot, deutlich weniger Urin, anhaltendes Erbrechen sowie Schwellung oder Schmerzen in einem Bein.

Weitere Risiken bei Frauen

  • Mehrlingsschwangerschaft: Reifen mehrere Eizellen gleichzeitig, steigt die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge oder Drillinge. Das erhöht die Risiken für Mutter und Kinder.
  • Eileiterschwangerschaft: Nach Kinderwunschbehandlungen kommt sie etwas häufiger vor. Deshalb wird eine frühe Ultraschallkontrolle empfohlen.
  • Stieldrehung des Eierstocks: Ein stark vergrößerter Eierstock kann sich um seine Achse drehen. Das verursacht plötzliche, heftige Schmerzen und ist ein Notfall.
  • Thrombosen und Embolien: Das Risiko steigt besonders bei OHSS, Übergewicht oder familiärer Gerinnungsneigung.

Risiken bei Männern und Jungen

  • Brustdrüsenvergrößerung (Gynäkomastie): Folge der gesteigerten Östradiolbildung im Hoden.
  • Wassereinlagerungen: Androgene und Östrogene halten Natrium zurück. Bei Herz- oder Nierenschwäche kann das problematisch sein.
  • Vorzeitige Pubertät: Bei Jungen kann eine Behandlung Schambehaarung, Peniswachstum oder einen Wachstumsschub auslösen. Auch ein vorzeitiger Schluss der Wachstumsfugen ist möglich.
  • Akne und Stimmungsschwankungen: Beides wird durch den Anstieg der Geschlechtshormone erklärt.

Allgemeine Nebenwirkungen

Unabhängig vom Geschlecht berichten Behandelte über Kopfschmerzen, Müdigkeit und Rötungen oder Schmerzen an der Einstichstelle. Allergische Reaktionen sind selten, kommen bei urinären Präparaten aber vor, weil sie geringe Mengen anderer Urineiweiße enthalten können. Nach wiederholter Anwendung über lange Zeit wurden vereinzelt Antikörper gegen hCG beschrieben, die die Wirkung abschwächen.

Wann hCG nicht angewendet werden darf

Die Fachinformationen nennen mehrere Gegenanzeigen. Dazu zählen Tumoren von Hypophyse oder Hypothalamus und hormonabhängige Krebsarten wie Brust-, Gebärmutter-, Eierstock-, Prostata- oder Hodenkrebs. Auch unklare Blutungen aus der Scheide, Eierstockzysten ohne Bezug zu PCOS, frühere Thrombosen und eine Unverträglichkeit gegen den Wirkstoff schließen die Anwendung meist aus. Ob im Einzelfall etwas dagegen spricht, klärt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

HCG als Tumormarker

Gesunde Männer und nicht schwangere Frauen haben nur winzige Mengen hCG im Blut. Ein klar erhöhter Wert außerhalb der Schwangerschaft ist deshalb ein Alarmsignal. Bestimmte Tumoren bilden das Hormon selbst. Dazu gehören Keimzelltumoren des Hodens, insbesondere Chorionkarzinome und manche Seminome, sowie Blasenmolen und andere Trophoblasterkrankungen bei Frauen. In der Onkologie dient hCG daher als Verlaufsmarker.

Für Anti-Doping-Labore hat das eine ungewöhnliche Seite. Ein auffälliger hCG-Wert in der Probe eines Sportlers kann auf Doping hindeuten. Er kann aber auch der erste Hinweis auf einen bislang unentdeckten Hodentumor sein. Die Regelwerke sehen deshalb eine medizinische Abklärung vor, bevor ein Befund als Verstoß gewertet wird.

Der Diät-Mythos

1954 veröffentlichte der britische Arzt Albert Simeons eine Methode, die bis heute in Abwandlungen kursiert. Er kombinierte tägliche kleine hCG-Spritzen mit einer extrem kalorienarmen Kost von rund 500 Kilokalorien. Das Hormon sollte angeblich gezielt Fettreserven mobilisieren und den Hunger dämpfen.

Die Methode wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach in kontrollierten Studien überprüft. Eine Metaanalyse im British Journal of Clinical Pharmacology kam 1995 zu einem klaren Ergebnis. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg, dass hCG beim Abnehmen hilft, den Hunger senkt oder die Fettverteilung verbessert. Der Gewichtsverlust erklärt sich vollständig durch die sehr niedrige Kalorienzufuhr. Diese birgt ihrerseits Risiken wie Gallensteine, Muskelabbau und Mangelerscheinungen.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnte 2011 ausdrücklich vor frei verkäuflichen „homöopathischen“ hCG-Tropfen und stufte deren Vertrieb als illegal ein. Viele dieser Produkte enthielten gar kein messbares hCG. Für die Gewichtsabnahme ist das Hormon weder in den USA noch in Deutschland zugelassen.

HCG im Kraftsport und im Leistungssport

Wer Anabolika von außen zuführt, signalisiert dem Gehirn, dass genug Testosteron vorhanden ist. Die Hypophyse drosselt daraufhin LH und FSH, und die Hoden fahren ihre Arbeit herunter. Typische Folgen sind kleinere Hoden und eine verminderte Spermienzahl. In Teilen der Kraftsportszene wird hCG deshalb eingesetzt, um diesem Effekt entgegenzuwirken. Für diese Verwendung gibt es keine Zulassung, und die Studienlage ist dünn.

Aus medizinischer Sicht bringt eine solche Selbstbehandlung eigene Probleme mit sich. Die zusätzliche Östradiolbildung kann eine Gynäkomastie fördern. Der hCG-Effekt verdeckt außerdem, wie stark die eigene Hormonachse tatsächlich unterdrückt ist. Bei Männern, die nach dem Absetzen von Anabolika unter anhaltendem Hormonmangel leiden, untersuchen Endokrinologen inzwischen verschiedene Behandlungswege. Belastbare Langzeitdaten fehlen bislang, und die Entscheidung gehört in fachärztliche Hände.

Warum die WADA hCG nur bei Männern verbietet

Die Welt-Anti-Doping-Agentur führt Choriongonadotropin und LH in der Gruppe S2, den Peptidhormonen und Wachstumsfaktoren. Das Verbot gilt ausdrücklich nur für männliche Athleten. Der Grund liegt im Wirkprinzip. Beim Mann steigert hCG die körpereigene Testosteronbildung, und zwar so, dass der Quotient aus Testosteron und seinem Begleitstoff Epitestosteron kaum aus dem Rahmen fällt. Genau dieser Wert dient Laboren aber als wichtiges Suchkriterium. Bei Frauen hat hCG keinen vergleichbaren leistungssteigernden Effekt.

Labor und Alltag: was man wissen sollte

Weil Schwangerschaftstests hCG messen, führt eine Injektion zu einem falsch positiven Ergebnis. Nach einer Auslösespritze kann ein Test je nach Menge und Stoffwechsel ein bis zwei Wochen lang positiv ausfallen, ohne dass eine Schwangerschaft besteht. Kinderwunschzentren raten deshalb, mit dem Test bis zum vereinbarten Termin zu warten oder den Wert im Blut verfolgen zu lassen.

Auch andere Laborwerte verändern sich. Bei Männern steigen Testosteron und Östradiol, während LH und FSH durch die Rückkopplung sinken können. Sehr hohe hCG-Spiegel, wie in der Schwangerschaft, können die Schilddrüse leicht anregen, weil hCG schwach an den TSH-Rezeptor bindet. Wer Blutwerte bestimmen lässt, sollte eine hCG-Behandlung deshalb immer angeben.

LaborwertMögliche Veränderung unter hCGHintergrund
Beta-hCGErhöht; Schwangerschaftstest falsch positivDirekter Nachweis des zugeführten Hormons
Testosteron (Mann)ErhöhtStimulation der Leydig-Zellen
ÖstradiolErhöhtMehr Aromatase im Hoden bzw. Follikelreifung im Eierstock
LH und FSHHäufig erniedrigtNegative Rückkopplung durch steigende Geschlechtshormone
HämatokritBei OHSS erhöhtFlüssigkeitsverlust aus den Gefäßen, Blut dickt ein

Empfindliche Ware

Eiweißhormone vertragen Wärme und Licht schlecht. Wird die Kühlkette unterbrochen, kann das Molekül seine Form verlieren und damit seine Wirkung. Von außen sieht man einem Pulver das nicht an. Hinzu kommt, dass Zollbehörden und Labore regelmäßig gefälschte Präparate finden, die zu wenig oder gar kein hCG enthalten. Arzneimittel aus der Apotheke unterliegen dagegen einer amtlichen Qualitätskontrolle.

Rechtslage in Deutschland

Humanes Choriongonadotropin ist in Deutschland ein Arzneimittel im Sinne des Arzneimittelgesetzes (AMG) und darf nur auf ärztliche Verschreibung abgegeben werden. Zugelassen sind sowohl Präparate aus urinärem hCG als auch das gentechnisch hergestellte Choriogonadotropin alfa, jeweils für die in der Fachinformation genannten Anwendungen. Wer hCG ohne Erlaubnis herstellt, einführt oder abgibt, macht sich nach dem AMG strafbar.

Zusätzlich greift das Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG). In seiner Anlage sind Choriongonadotropin und LH bei den Peptidhormonen aufgeführt. Wer hCG für Doping im Sport weitergibt, handelt damit oder es anderen verabreicht, riskiert eine Strafe. Für Leistungssportler, die bestimmten Testpools angehören, gilt darüber hinaus das Selbstdopingverbot. Im organisierten Sport ist hCG laut WADA-Liste für Männer zu jeder Zeit untersagt, also auch außerhalb von Wettkämpfen.

Häufige Fragen

Ist hCG ein Steroid?

Nein. HCG ist ein Eiweißhormon aus zwei Aminosäureketten mit Zuckerresten. Es wirkt indirekt, indem es Eierstöcke oder Hoden zur Bildung eigener Hormone anregt. Steroide wie Testosteron sind dagegen selbst die wirksamen Hormone.

Warum zeigt ein Schwangerschaftstest nach einer Spritze ein positives Ergebnis?

Der Test erkennt die Beta-Kette von hCG und kann nicht unterscheiden, ob das Hormon vom Embryo stammt oder injiziert wurde. Erst wenn das zugeführte hCG abgebaut ist, wird ein Testergebnis aussagekräftig.

Kann hCG die Fruchtbarkeit des Mannes verbessern?

Bei Männern mit hypogonadotropem Hypogonadismus ist das belegt, meist in Kombination mit FSH. Bei Fruchtbarkeitsstörungen mit normalen Hormonwerten fehlt dagegen ein klarer Nutzennachweis. Eine andrologische Untersuchung klärt zuerst die Ursache.

Hilft hCG beim Abnehmen?

Nach heutiger Studienlage nicht. Der Effekt der bekannten hCG-Diät beruht allein auf der extrem niedrigen Kalorienzufuhr, die gesundheitlich nicht unbedenklich ist.

Fazit

HCG 5000 I.E. enthält ein Hormon, das die Natur für die ersten Schwangerschaftswochen geschaffen hat. Durch seine Ähnlichkeit mit LH ist es zu einem wichtigen Werkzeug der Reproduktionsmedizin geworden. Es ermöglicht die präzise Planung einer Eizellentnahme und kann Männern mit bestimmten Hormonstörungen zu Fruchtbarkeit verhelfen. Gleichzeitig verlangt es Erfahrung, denn das ovarielle Überstimulationssyndrom, Mehrlingsschwangerschaften und Thrombosen sind reale Risiken.

Für die Gewichtsabnahme gibt es keinen Beleg, und im Sport ist hCG für Männer verboten. Wer über eine Behandlung nachdenkt, sei es wegen eines Kinderwunsches oder wegen eines Hormonmangels, ist in einer reproduktionsmedizinischen, andrologischen oder endokrinologischen Praxis am besten aufgehoben. Dort lässt sich klären, ob hCG überhaupt infrage kommt und wie die Behandlung sicher überwacht wird.

Medizinischer und rechtlicher Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung über den Wirkstoff humanes Choriongonadotropin. Sie stellen keine Behandlungsempfehlung dar und enthalten absichtlich weder Mengenangaben noch Anwendungsschemata oder Hinweise zur Zubereitung. Eine Behandlung mit hCG gehört in ärztliche Hände und setzt eine Untersuchung sowie regelmäßige Kontrollen voraus; Fragen zu Arzneimitteln beantwortet auch Ihre Apotheke. HCG ist in Deutschland verschreibungspflichtig. Herstellung, Einfuhr und Abgabe ohne die erforderliche Erlaubnis sind nach dem Arzneimittelgesetz (AMG) strafbar. Das Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG) erfasst Choriongonadotropin in seiner Anlage und stellt unter anderem das Inverkehrbringen und die Anwendung bei anderen zu Dopingzwecken im Sport unter Strafe. Männlichen Sportlern ist hCG nach dem WADA-Code innerhalb und außerhalb von Wettkämpfen untersagt. Die Inhalte geben den Recherchestand von Oktober 2026 wieder und wurden sorgfältig zusammengestellt, können aber Fehler enthalten oder durch neue Erkenntnisse überholt sein. Für Schäden, die aus der Nutzung dieser Informationen entstehen, wird keine Haftung übernommen.