SR-9009 (Stenabolic) 10mg – 60 Capsules

€ 79,99

- +
  • Diskreter Versand Neutrale Verpackung
  • 48 h Lieferung Innerhalb Deutschlands
  • Laborgeprüft Chargen auf Qualität geprüft
  • Premium-Qualität Sorgfältig ausgewählt
  • Sichere Zahlung SSL-verschlüsselt
  • Sendungsverfolgung Sendung online verfolgen

SR-9009 10 mg bezeichnet eine Laborsubstanz, die an REV-ERBα und REV-ERBβ bindet. Diese beiden Kernrezeptoren sind Bausteine der inneren Uhr und steuern im Tagesrhythmus Gene für Fett- und Zuckerstoffwechsel. Entwickelt wurde der Stoff um 2012 als Werkzeug für die Grundlagenforschung. Alle Wirkungsdaten stammen aus Zellkulturen und gespritzten Mäusen, Studien am Menschen gibt es keine. Er ist weder Steroid noch SARM und nirgends als Arzneimittel zugelassen.

Produktspezifikation

WirkstoffSR-9009 (auch SR9009; im Internethandel „Stenabolic“, kein offizieller Freiname)
Wirkstoffgehalt10 mg pro Kapsel (laut Etikett)
Chemischer NameEthyl-3-({[(4-chlorphenyl)methyl][(5-nitrothiophen-2-yl)methyl]amino}methyl)pyrrolidin-1-carboxylat
Summenformel / MolmasseC20H24ClN3O4S / ca. 437,9 g/mol
CAS-Nummer1379686-30-2
WirkstoffklasseSynthetischer Agonist der Kernrezeptoren REV-ERBα (NR1D1) und REV-ERBβ (NR1D2); Stoffwechselmodulator ohne Steroidgerüst
DarreichungsformKapsel
ApplikationswegOral laut Etikett; in den veröffentlichten Tierstudien wurde der Stoff dagegen injiziert
Orale BioverfügbarkeitNicht belegt; verlässliche Messungen nach Einnahme über den Mund liegen nicht vor, Fachliteratur beschreibt die Pharmakokinetik als ungünstig
HalbwertszeitBeim Menschen unbekannt; bei Mäusen nur kurze Verweildauer im Blut beschrieben
WirkprinzipVerstärkt die hemmende Wirkung von REV-ERB auf Uhr- und Stoffwechselgene in Leber, Muskel und Fettgewebe; zusätzlich Effekte unabhängig von REV-ERB nachgewiesen (2019)
Androgenrezeptor / HormonachseKeine Bindung am Androgenrezeptor; nicht aromatisierbar, da kein Steroid
DatenlageZellkulturen und Mausmodelle (Übergewicht, Ausdauer, Schlaf, Tumoren); keine klinische Studie, keine Daten zur Verträglichkeit am Menschen
Medizinische ZulassungWeltweit keine; nie in eine klinische Entwicklung eingetreten
Packungsgröße60 Kapseln
LagerungIn der fest verschlossenen Originaldose bei Raumtemperatur, vor Licht und Feuchtigkeit geschützt und außer Reichweite von Kindern
Rechtsstatus (DE)Nicht zugelassenes Arzneimittel im Sinne des AMG; als Nahrungsergänzung in der EU unzulässig; vom AntiDopG bei den Stoffwechselmodulatoren erfasst; WADA-Liste S4 (Rev-erbα-Agonisten), in und außerhalb von Wettkämpfen verboten

Die Tabelle ordnet den Stoff fachlich ein und beschreibt keine Anwendung. Wer gesundheitliche Fragen hat, wendet sich an eine Arztpraxis oder Apotheke.

SR-9009 10 mg landet in Onlineshops oft in der Rubrik für SARMs, obwohl der Stoff mit Muskelaufbau über Hormone nichts zu tun hat. Sein Ziel ist die innere Uhr. Genauer gesagt bindet er an zwei Eiweiße, die jeden Tag aufs Neue festlegen, wann Leber, Muskeln und Fettgewebe Energie speichern oder verbrauchen. In Versuchen mit Mäusen klang das aufregend. Bei genauerem Hinsehen bleiben jedoch drei große Fragezeichen: die Herkunft der Daten, die Kapselform und die Frage, worüber der Stoff eigentlich wirkt.

Auf dieser Seite gehen wir der Reihe nach vor. Zuerst klären wir, was hinter den Namen steckt und wie die innere Uhr funktioniert. Danach geht es um die Tierstudien, um einen Befund aus dem Jahr 2019, der vieles infrage stellt, und um das Problem der Aufnahme über den Mund. Den Abschluss bilden Risiken, ein Faktencheck, das Dopingverbot und die deutsche Gesetzeslage. Neue Fachwörter werden jeweils beim ersten Vorkommen kurz übersetzt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Art des Stoffes: ein im Labor entworfener Aktivator der Uhr-Proteine REV-ERBα und REV-ERBβ. Er ist kein Steroid, kein SARM und kein Peptid.
  • Ursprünglicher Zweck: ein Werkzeug, mit dem Forschende untersuchen wollten, wie Tagesrhythmus und Stoffwechsel zusammenhängen.
  • Belegte Effekte: ausschließlich in Zellkulturen und bei Mäusen, denen der Stoff gespritzt wurde.
  • Größte Unsicherheit: Ob nach dem Schlucken einer Kapsel überhaupt nennenswerte Mengen ins Blut gelangen, ist nicht belegt.
  • Rechtslage: keine Zulassung, in Deutschland nicht frei verkehrsfähig, im Sport immer verboten.

Was die Namen verraten

Das Kürzel SR-9009 ist ein schlichter Laborcode. Er stammt aus einem Forschungsinstitut in Florida, wo die Substanz zusammen mit ihrer Schwester SR-9011 entstand. Beide wurden 2012 in einer viel beachteten Arbeit vorgestellt. Ein Medikamentenprojekt mit dem Ziel einer Zulassung wurde daraus nie.

Der Name Stenabolic dagegen ist eine Erfindung des Internethandels. Er klingt nach „anabol“ und weckt damit Erwartungen an Muskelzuwachs, die keine einzige Studie stützt. Wir verwenden im weiteren Text deshalb die Bezeichnung SR-9009.

Woher „Rev-Erb“ kommt

Auch der Name des Zielrezeptors hat eine kuriose Geschichte. Ende der 1980er-Jahre stießen Forschende auf ein Gen, das auf dem Gegenstrang des Gens für einen Schilddrüsenhormon-Rezeptor liegt. Dieser Rezeptor hieß damals „c-erbA“. Das neue Gen bekam deshalb den Namen Rev-ErbA, kurz für „reverse strand of ErbA“. Lange war unklar, welcher Botenstoff an diesen Rezeptor bindet. Erst 2007 zeigte sich, dass es Häm ist, also derselbe eisenhaltige Baustein, der im roten Blutfarbstoff Sauerstoff trägt.

Wie das Molekül aufgebaut ist

Im Zentrum von SR-9009 sitzt ein Stickstoffatom, an dem drei Arme hängen. Der erste Arm trägt einen Benzolring mit einem Chloratom. Am zweiten hängt ein Thiophen, ein kleiner Ring mit Schwefel, der zusätzlich eine Nitrogruppe besitzt. Der dritte Arm führt zu einem Pyrrolidinring, an dem ein Ethylester sitzt. Mit den kantigen, vierringigen Gerüsten von Steroiden hat diese Bauweise keinerlei Ähnlichkeit.

Die innere Uhr in fünf Minuten

Fast jede Zelle des Körpers besitzt eine eigene kleine Uhr. Sie gibt den Takt für Schlaf und Wachheit, für Körpertemperatur, Hormonausschüttung und Verdauung vor. Eine zentrale Schaltstelle im Gehirn gleicht diese vielen Uhren jeden Tag mit dem Tageslicht ab. Mahlzeiten und Bewegung stellen sie zusätzlich nach.

Technisch funktioniert die Uhr wie eine Rückkopplungsschleife aus Genen und Eiweißen. Zwei Aktivatoren schalten am Morgen eine Reihe von Genen an. Deren Produkte sammeln sich im Laufe des Tages an und bremsen schließlich die Aktivatoren selbst. Sinkt ihr Spiegel wieder, beginnt der Kreislauf von vorn. Eine Runde dauert ziemlich genau 24 Stunden.

BauteilRolle im UhrwerkBildlicher Vergleich
CLOCK und BMAL1Schalten als Paar die Uhr-Gene anDer Motor
PER und CRYHemmen nach einigen Stunden CLOCK und BMAL1Die Hauptbremse
REV-ERBα und REV-ERBβUnterdrücken die Ablesung von BMAL1 und vieler StoffwechselgeneEine zweite, feinere Bremse
ROR-RezeptorenFördern die Ablesung von BMAL1, also das Gegenstück zu REV-ERBDas Gaspedal neben der Bremse

REV-ERB ist damit ein Bindeglied zwischen Uhr und Stoffwechsel. In der Leber etwa bremst es zu bestimmten Tageszeiten Gene für die Bildung von Fett und Zucker. Fehlt REV-ERBα bei Mäusen, geraten sowohl der Tagesrhythmus als auch die Blutfettwerte durcheinander.

Was SR-9009 am Rezeptor bewirkt

REV-ERB-Proteine arbeiten als Unterdrücker. Sie heften sich an die Erbsubstanz und holen dort Hilfseiweiße heran, die das Ablesen der benachbarten Gene erschweren. SR-9009 verstärkt diesen Vorgang. Der Stoff wirkt also nicht wie ein Lichtschalter, der etwas einschaltet, sondern wie ein Fuß, der kräftiger auf eine bereits vorhandene Bremse drückt.

Als Vorlage diente eine ältere Werkzeugsubstanz eines britischen Pharmakonzerns. Sie band zwar an REV-ERB, verschwand im Körper aber so schnell, dass sie für Tierversuche kaum taugte. SR-9009 und SR-9011 entstanden als verbesserte Abwandlungen. Im Reagenzglas liegt die halbmaximale Wirkung von SR-9009 im mittleren Nanomol-Bereich. Das gilt als mäßig stark und lässt keine Rückschlüsse auf eine Wirkung im Menschen zu.

Die Tierstudien im Überblick

Ein großer Teil des Interesses an SR-9009 beruht auf wenigen, dafür prominent veröffentlichten Arbeiten. In allen Versuchen am lebenden Tier wurde der Wirkstoff nach unserem Kenntnisstand gespritzt, meist in die Bauchhöhle. Die folgende Tabelle fasst die bekanntesten Ergebnisse zusammen.

JahrModellWas beobachtet wurdeEinschränkung
2012Mäuse mit ernährungsbedingtem Übergewicht, 30 Tage InjektionenHöherer Energieverbrauch, weniger Fettmasse, bessere Blutfett- und Blutzuckerwerte; weniger nächtliche AktivitätNur Mäuse, nur Spritzen, kurzer Zeitraum
2013Mäuse, Untersuchung der SkelettmuskulaturMehr Mitochondrien im Muskel und längere Laufstrecken auf dem LaufbandKeine Prüfung an trainierten Menschen
2014Mäuse, Schlaf- und VerhaltenstestsMehr Wachzeit, veränderter Schlaf, weniger angstähnliches VerhaltenVerhalten von Mäusen ist nur begrenzt übertragbar
2018Krebszellen aus fünf Tumorarten, dazu ein Mausmodell für HirntumorenAbsterben der Krebszellen, gesunde Zellen kaum betroffen; Wachstumsstopp beim Hirntumor der MausGrundlagenforschung, keine klinische Prüfung
2019Zellen und Mäuse ohne REV-ERBα und REV-ERBβSR-9009 veränderte Zellteilung, Stoffwechsel und Genablesung trotzdemStellt die Deutung früherer Studien infrage

Woher der Ruf als Ausdauermittel stammt

Die Laufband-Ergebnisse von 2013 haben das Bild von SR-9009 im Internet stärker geprägt als jede andere Arbeit. Die Forschenden wollten eigentlich verstehen, wie REV-ERBα die Zahl der Mitochondrien im Muskel reguliert. Mitochondrien liefern den Großteil der Energie für längere Belastungen. Dass behandelte Mäuse weiter liefen, war ein Nebenschauplatz dieser Frage, kein Test eines Leistungsmittels. Ein vergleichbarer Versuch an Menschen wurde nie gemacht.

Krebszellen in der Kulturschale

Für Aufsehen sorgte auch die Arbeit von 2018. Krebszellen schalten offenbar REV-ERB stumm, um ungebremst Fett herzustellen und Zellbestandteile zu recyceln. SR-9009 und SR-9011 drehten diese Prozesse ab, worauf die Tumorzellen abstarben. Daraus folgt jedoch kein Schutz vor Krebs und schon gar keine Behandlung. Viele Stoffe töten Krebszellen in der Schale und scheitern später am Menschen.

Der Befund von 2019: Wirkung ohne Zielrezeptor

Ein Forschungsteam aus Philadelphia stellte eine einfache, aber entscheidende Frage. Was passiert, wenn man SR-9009 auf Zellen gibt, denen beide REV-ERB-Varianten fehlen? Wäre der Rezeptor der einzige Angriffspunkt, dürfte dann nichts geschehen.

Das Ergebnis fiel anders aus. Auch in diesen Zellen bremste SR-9009 die Zellvermehrung, veränderte die Atmung der Mitochondrien und verschob die Ablesung zahlreicher Gene. Ein Teil der Effekte hängt also nicht an REV-ERB, sondern an bisher unbekannten anderen Zielen. Für Laien heißt das zweierlei. Erstens lassen sich frühere Erfolge nicht sicher der inneren Uhr zuschreiben. Zweitens weiß niemand genau, an welchen Stellen im Körper der Stoff sonst noch eingreift.

Was „unspezifisch“ bedeutet: Ein Wirkstoff gilt als spezifisch, wenn er nur an seinem vorgesehenen Ziel ansetzt. Wirkt er auch anderswo, spricht man von Effekten außerhalb des Ziels. Sie sind eine der häufigsten Ursachen für unerwartete Nebenwirkungen in der Arzneimittelentwicklung.

Das Problem mit der Kapsel

Hier liegt der vielleicht wichtigste Punkt für alle, die auf ein Etikett mit „10 mg pro Kapsel“ blicken. Damit ein geschluckter Wirkstoff wirken kann, muss er die Darmwand passieren und anschließend die Leber überstehen, die viele Fremdstoffe sofort abbaut. Den Anteil, der danach unverändert im Blut ankommt, nennt man Bioverfügbarkeit.

Für SR-9009 liegen dazu keine verlässlichen veröffentlichten Messungen vor. In der Fachliteratur wird seine Pharmakokinetik, also Aufnahme, Verteilung und Abbau, als ungünstig beschrieben. Nicht ohne Grund wurde der Stoff in den bekannten Tierversuchen gespritzt. Zudem verschwand er auch nach der Injektion bei Mäusen recht schnell wieder aus dem Blut. Ob aus einer Kapsel nennenswerte Mengen im Körper ankommen, ist deshalb offen, und vieles spricht eher dagegen.

Warum es Werbung für Tropfen unter der Zunge gibt

Händler kennen dieses Problem. Deshalb tauchen Angebote auf, die Flüssigkeiten zum Aufnehmen über die Mundschleimhaut oder angeblich verbesserte Varianten bewerben. Für keine dieser Formen gibt es veröffentlichte Daten zur Aufnahme beim Menschen. Bezeichnend ist auch, dass die Forschung selbst Nachfolgemoleküle mit besseren Eigenschaften entwickelt hat, statt mit SR-9009 weiterzuarbeiten.

Was beim Menschen völlig unbekannt ist

Eine klinische Studie, gleich welcher Phase, wurde mit SR-9009 nie durchgeführt. Damit fehlen grundlegende Informationen, die bei jedem zugelassenen Medikament selbstverständlich sind:

  • wie viel des Stoffes im Blut ankommt und wie lange er dort bleibt,
  • welche Abbauprodukte die Leber bildet und ob diese giftig sind,
  • wie sich ein dauerhafter Eingriff in die innere Uhr auf Schlaf, Stimmung und Hormone auswirkt,
  • ob der Stoff mit Medikamenten wechselwirkt, etwa mit Schlafmitteln, Antidepressiva oder Blutzuckersenkern,
  • welche Folgen eine Einnahme über Monate oder Jahre hat.

Mögliche Risiken

Ohne Humandaten bleibt nur der Weg, mögliche Gefahren aus dem Wirkprinzip, der Chemie und den Tierversuchen ableiten. Die folgenden Punkte sind deshalb als begründete Bedenken zu verstehen, nicht als gesicherte Nebenwirkungsliste.

  1. Störung des Tagesrhythmus: Ein Stoff, der die innere Uhr verstellt, kann Schlaf und Wachheit verschieben. Bei Mäusen veränderte er genau das. Dauerhaft gestörte Rhythmen bringt die Forschung, etwa bei Schichtarbeit, mit Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Problemen in Verbindung.
  2. Unbekannte Nebenziele: Die Ergebnisse von 2019 zeigen, dass SR-9009 auch abseits von REV-ERB wirkt. Welche Organe davon betroffen sein könnten, ist nicht untersucht.
  3. Chemische Warnsignale: Das Molekül enthält eine Nitrogruppe an einem aromatischen Ring. Solche Strukturen gelten in der Toxikologie als Hinweis, dass ein Stoff auf mögliche Erbgutschäden geprüft werden sollte. Für SR-9009 sind solche Prüfungen nicht veröffentlicht.
  4. Immunsystem und Entzündung: REV-ERB beeinflusst auch Abwehrzellen und Entzündungsbotenstoffe. Was eine künstliche Aktivierung über längere Zeit dort bewirkt, ist offen.
  5. Unsicherer Inhalt: Analysen von Produkten aus dem Internethandel zeigten wiederholt, dass deklarierte und tatsächliche Inhaltsstoffe nicht übereinstimmen. Eine behördliche Qualitätskontrolle findet bei solchen Waren nicht statt.

SR-9009 im Vergleich

Im Netz wird SR-9009 oft in einen Topf mit anderen Forschungssubstanzen geworfen. Die Tabelle zeigt, wie unterschiedlich diese Stoffe tatsächlich sind.

MerkmalSR-9009GW-501516Typischer SARM
ZielstrukturREV-ERBα/β, Teil der inneren UhrPPAR-delta, Regler der FettverbrennungAndrogenrezeptor
Daten am MenschenKeineKurze Studien zu BlutfettenJe nach Stoff Phase 1 oder 2
Verwendung in TierversuchenInjektionMeist über den MundMeist über den Mund
Einfluss auf eigenes TestosteronNicht beschriebenNicht beschriebenUnterdrückung häufig gemessen

Mehr zu den beiden anderen Gruppen findet sich auf den jeweiligen Produktseiten. Wichtig ist hier nur: Ein gemeinsamer Platz im Onlineshop sagt nichts über eine gemeinsame Wirkung aus.

Verbreitete Annahmen und was davon stimmt

AnnahmeEinordnung
„Stenabolic baut Muskeln auf“Für einen Muskelaufbau gibt es weder beim Tier noch beim Menschen einen Beleg. Der Name ist reines Marketing.
„Die Kapsel wirkt wie in den Studien“Die bekannten Studien nutzten Spritzen. Für die Einnahme über den Mund fehlen belastbare Daten.
„SR-9009 ist ein Mittel gegen Krebs“Die Beobachtungen stammen aus Kulturschalen und einem Mausmodell. Eine Behandlung von Menschen wurde nie erprobt.
„Es wirkt gezielt nur auf die innere Uhr“Seit 2019 ist bekannt, dass der Stoff auch ohne REV-ERB in Zellen eingreift.
„Weil es kein Hormon ist, ist es unbedenklich“Fehlende Hormonwirkung bedeutet nicht fehlende Risiken. Zur Sicherheit am Menschen liegt schlicht nichts vor.

Für wen besondere Vorsicht gilt

Medizinisch lässt sich keine Gruppe benennen, für die SR-9009 einen belegten Nutzen hätte. Besonders problematisch erscheint der Stoff bei Schlafstörungen, Depressionen oder Angsterkrankungen, weil er gerade in diese Regelkreise eingreift. Gleiches gilt für Menschen in Schichtarbeit, für Personen mit Leber-, Herz- oder Stoffwechselerkrankungen sowie in Schwangerschaft und Stillzeit. Kinder und Jugendliche sollten überhaupt nicht damit in Berührung kommen.

Wer SR-9009 bereits genommen hat und sich unsicher fühlt, kann das offen in der Hausarztpraxis ansprechen. Die ärztliche Schweigepflicht schützt solche Gespräche. Mögliche Themen für den Termin sind:

  • Schlaf und Befinden: Einschlafprobleme, frühes Erwachen, Tagesmüdigkeit oder Stimmungsschwankungen.
  • Laborwerte der Leber: ALT, AST und Gamma-GT.
  • Stoffwechsel: Blutzucker, HbA1c und ein Fettprofil.
  • Herz und Kreislauf: Blutdruck und Ruhepuls, bei Beschwerden auch ein EKG.
Rasch ärztlich abklären lassen: anhaltende Schlaflosigkeit über mehrere Nächte, Herzrasen oder Brustschmerzen, gelbliche Haut oder Augen, auffällig dunkler Urin sowie starke Unruhe oder depressive Verstimmung.

Regeln im Sport

Die Welt-Anti-Doping-Agentur führt Rev-erbα-Agonisten in Abschnitt S4 bei den Stoffwechselmodulatoren und nennt SR9009 und SR9011 dort ausdrücklich als Beispiele. Das Verbot gilt ohne Pause, also im Wettkampf wie im Training. Dopinglabore haben eigene Nachweisverfahren für den Stoff und seine Abbauprodukte entwickelt. Für Athletinnen und Athleten zählt dabei allein das Analyseergebnis. Ein Etikett, das etwas anderes verspricht, schützt nicht vor einer Sperre.

Was das deutsche Recht sagt

  1. Arzneimittelgesetz (AMG): Ein Stoff, der dazu bestimmt ist, Körperfunktionen über den Stoffwechsel zu beeinflussen, gilt als Arzneimittel. SR-9009 besitzt keine Zulassung. Wer ihn in Verkehr bringt, verstößt gegen das AMG; Herstellung und Einfuhr sind erlaubnispflichtig.
  2. Lebensmittelrecht: Als Nahrungsergänzung, Schlafhilfe oder Fitnessprodukt ist SR-9009 in der EU nicht verkehrsfähig. Behörden behandeln entsprechende Angebote als unzulässige Arzneimittel.
  3. Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG): Nach unserem Kenntnisstand nennt die Gesetzesanlage SR-9009 in der Gruppe der Stoffwechselmodulatoren. Wer den Stoff zu Dopingzwecken handelt oder an andere abgibt, macht sich folglich strafbar. Spitzensportlerinnen und Spitzensportler dürfen ihn auch nicht selbst anwenden.
  4. Einfuhr und Zoll: Pakete aus Drittstaaten können angehalten und den Behörden gemeldet werden. Ein Aufdruck wie „nur für Forschungszwecke“ macht aus einem Arzneimittel kein Laborreagenz.

Fragen und Antworten

Ist SR-9009 ein SARM?

Nein. SARMs binden an den Androgenrezeptor, an dem auch Testosteron ansetzt. SR-9009 bindet an REV-ERB, einen Rezeptor der inneren Uhr. Die beiden Gruppen teilen sich lediglich die Verkaufsregale.

Macht SR-9009 wach oder müde?

Bei Mäusen nahm die Wachzeit zu, und das Schlafmuster veränderte sich. Ob ein Mensch ähnlich reagiert, wurde nie geprüft. Wer ohnehin schlecht schläft, sollte diese Möglichkeit aber ernst nehmen.

Worin unterscheiden sich SR-9009 und SR-9011?

Beide stammen aus derselben Laborreihe und binden an dieselben Rezeptoren. Sie unterscheiden sich in Details des Molekülbaus. In den meisten Grundlagenstudien wurden sie parallel als Werkzeuge eingesetzt. Zugelassen ist keiner der beiden Stoffe.

Warum wurde SR-9009 in Studien gespritzt?

Weil nur so sichergestellt war, dass genug Wirkstoff im Blut ankommt. Über den Mund aufgenommen wird der Stoff nach allem, was bekannt ist, schlecht, und er wird zudem rasch abgebaut.

Lässt sich SR-9009 bei Dopingkontrollen finden?

Ja. Spezialisierte Labore haben die Abbauwege des Stoffes untersucht und suchen gezielt nach ihm und seinen Stoffwechselprodukten. Eine feste Zeitspanne für den Nachweis kann niemand seriös angeben.

Fazit

SR-9009 10 mg steht für eine Substanz, die als Forschungswerkzeug für die innere Uhr entstand. Sie verstärkt die Bremswirkung von REV-ERB auf Uhr- und Stoffwechselgene. Bei gespritzten Mäusen sanken Fettmasse und Blutfette, die Tiere liefen länger und schliefen anders. In Kulturschalen starben Krebszellen ab.

Dem stehen gewichtige Einwände gegenüber. Kein Mensch hat den Stoff je in einer Studie erhalten, die Aufnahme aus einer Kapsel ist nicht belegt, und seit 2019 ist klar, dass SR-9009 auch abseits seines Rezeptors wirkt. Hierzulande fehlt jede legale Verkaufsgrundlage, ob als Medikament oder als Supplement, und Sportverbände untersagen ihn ganzjährig. Bei Fragen zu Schlaf, Stoffwechsel oder Leistungsfähigkeit helfen Hausarztpraxis, Schlafmedizin und Sportmedizin weiter.

Rechtlicher und medizinischer Hinweis: Dieser Text informiert über die Forschungssubstanz SR-9009 und dient allein der Bildung. Er nennt bewusst keine Mengen, keine Einnahmepläne und keine Bezugsquellen und ruft nicht zum Kauf auf. Ein Gespräch mit Ärztinnen, Ärzten oder Apothekenpersonal kann er nicht ersetzen. Untersuchungen an Menschen fanden mit SR-9009 nie statt, eine Zulassung gibt es weltweit nicht. Für Herstellung, Import und Abgabe gelten in Deutschland die Regeln des Arzneimittelgesetzes (AMG); ein Vertrieb als Lebensmittel scheidet EU-weit aus. Nach dem Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG) ist unter anderem der Handel zu Dopingzwecken strafbar, und die WADA untersagt den Stoff im Sport jederzeit. Die Angaben wurden mit Sorgfalt recherchiert. Wir können dennoch nicht garantieren, dass sie lückenlos, fehlerfrei und auf dem neuesten Stand sind. Für Handlungen Dritter, die sich auf diesen Text stützen, haften wir nicht.