Methasteron 10 mg hat eine ungewöhnliche Biografie. Die meisten Steroide, über die heute gesprochen wird, waren irgendwann einmal Medikamente. Sie wurden in Kliniken getestet, in Apotheken verkauft und später wegen ihrer Nebenwirkungen zurückgezogen. Methasteron hat diesen Weg nie genommen. Es blieb jahrzehntelang eine Randnotiz in chemischen Fachzeitschriften, bis es plötzlich in Dosen mit buntem Etikett auftauchte, neben Proteinpulver und Vitaminen.
Diese Seite erzählt, wie es dazu kam und was die Medizin seither über den Stoff gelernt hat. Vieles davon stammt nicht aus Studien, sondern aus Krankenakten von Menschen, die mit Gelbsucht in Notaufnahmen kamen. Wir erklären die Chemie in einfachen Worten, ordnen die Fallberichte ein und zeigen, was in Deutschland rechtlich gilt. Vorkenntnisse sind nicht nötig.
Das Wichtigste in Kürze
- Was es ist: ein synthetisches Steroid, abgeleitet vom Dihydrotestosteron (DHT), mit zwei zusätzlichen Methylgruppen.
- Zulassung: keine, zu keinem Zeitpunkt und in keinem Land.
- Bekannt geworden: ab 2005 als „Nahrungsergänzung“ in den USA, obwohl es sich um ein vollwertiges Steroid handelt.
- Hauptproblem: schwerer Gallenstau in der Leber, in Einzelfällen mit Nierenversagen.
- Datenlage: keine kontrollierten Studien am Menschen, nur Tierversuche und Fallberichte.
- Rechtslage: in Deutschland nicht verkehrsfähig, im Anti-Doping-Gesetz aufgeführt.
Zwei Methylgruppen, zwei Folgen
Um Methasteron zu verstehen, hilft ein Blick auf seinen Ausgangsstoff. Dihydrotestosteron entsteht im Körper aus Testosteron. Es wirkt besonders stark auf Haut, Haarwurzeln und Prostata. Chemiker haben dieses Molekül an zwei Stellen verändert, und jede Veränderung hat eine eigene Wirkung.
Die Methylgruppe an Position 2
An Kohlenstoff 2 sitzt bei Methasteron eine kleine Methylgruppe. Dieselbe Veränderung findet sich bei Drostanolon, einem Steroid, das früher als Spritze gegen Brustkrebs eingesetzt wurde. Sie schützt das Molekül vor einem Enzym, das DHT im Muskelgewebe rasch abbaut. Dadurch bleibt der Stoff dort länger aktiv. Methasteron ist also, vereinfacht gesagt, Drostanolon mit einer weiteren Ergänzung.
Die Methylgruppe an Position 17
Die zweite Methylgruppe sitzt an Kohlenstoff 17. Sie ist der Grund, warum der Stoff überhaupt als Tablette wirkt. Ohne sie würde die Leber das Molekül beim ersten Durchgang fast vollständig zerlegen. Mit ihr übersteht es diesen Weg. Der Preis dafür ist bei allen sogenannten 17α-alkylierten Steroiden ähnlich: Die Leber wird stark beansprucht. Bei Methasteron scheint dieser Preis besonders hoch zu sein.
Kein Östrogen, aber auch kein Freifahrtschein
Als DHT-Abkömmling fehlt Methasteron die Doppelbindung, die die Aromatase für den Umbau zu Östrogen benötigt. Im Internet wurde das oft als Vorteil dargestellt. Tatsächlich fehlen damit nur bestimmte Nebenwirkungen, andere bleiben. Die androgene Wirkung auf Haut, Haare und Prostata ist bei einem DHT-Abkömmling sogar naheliegend. Zudem ist Östrogen beim Mann nicht nur ein Störfaktor, sondern wichtig für Knochen, Blutfette und Libido.
Vom Fachartikel ins Supplement-Regal
Die Geschichte von Methasteron lässt sich in drei Abschnitte gliedern. Sie zeigt gut, wie eine Gesetzeslücke einen vergessenen Laborstoff zum Verkaufsschlager machen konnte.
1950er-Jahre: ein Eintrag in der Forschungsliteratur
Ende der 1950er-Jahre suchten Pharmafirmen intensiv nach Steroiden, die Muskeln aufbauen, aber möglichst wenig vermännlichend wirken. Forscher stellten dafür hunderte Varianten her und prüften sie an Ratten. Methasteron war eine davon. In diesen Tierversuchen fiel es durch eine starke Wirkung auf einen bestimmten Muskel und eine vergleichsweise schwache Wirkung auf die Geschlechtsorgane auf. Trotzdem wurde nie ein Medikament daraus. Warum, ist nicht genau dokumentiert. Vermutlich gab es schlicht andere Kandidaten, die vielversprechender erschienen.
2005: Wiederentdeckung als „Designer-Supplement“
In den USA trat Anfang 2005 eine Verschärfung des Steroidgesetzes in Kraft. Sie verbot eine ganze Reihe von sogenannten Prohormonen, die bis dahin frei verkauft wurden. Methasteron stand nicht auf der Liste, weil es nie ein Arzneimittel gewesen war und kaum jemand es kannte. Genau diese Lücke nutzten Anbieter. Noch im selben Jahr kam ein Produkt auf den Markt, das unter dem Namen Superdrol bekannt wurde. Auf dem Etikett stand eine ungewohnte chemische Bezeichnung, die selbst Fachleute nicht sofort als Steroid erkannten.
Das Produkt wurde als Nahrungsergänzung beworben, wirkte aber wie ein klassisches anaboles Steroid. Andere Anbieter folgten mit ähnlichen Präparaten. Viele Käufer gingen davon aus, dass ein Produkt aus dem Fachhandel geprüft und sicher sei. Diese Annahme war falsch.
2006 bis 2014: Warnungen, Fallberichte und das Verbot
Ab 2006 gingen US-Behörden mit Warnschreiben gegen einzelne Anbieter vor. Zur gleichen Zeit erschienen die ersten medizinischen Fallberichte über Leberschäden. 2009 warnte die US-Arzneimittelbehörde FDA öffentlich vor dutzenden Bodybuilding-Produkten mit versteckten Steroiden. Endgültig geschlossen wurde die Lücke erst 2014: Ein neues Gesetz gegen Designer-Steroide stufte Methasteron in den USA ausdrücklich als kontrollierte Substanz ein.
| Zeitraum | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| Ende 1950er | Erstbeschreibung und Tierversuche | Keine klinische Entwicklung, keine Zulassung |
| 2005 | Verkauf als Nahrungsergänzung in den USA | Ein ungeprüftes Steroid erreicht den Massenmarkt |
| Ab 2006 | Behördliche Warnschreiben, erste Fallberichte | Das Leberrisiko wird sichtbar |
| 2009 | Öffentliche Warnung der FDA | Verbraucher werden breit informiert |
| 2014 | Einstufung als kontrollierte Substanz (USA) | Die Gesetzeslücke ist geschlossen |
Was Fallberichte über die Leber zeigen
Für Methasteron gibt es keine Zulassungsstudien und damit keine systematische Erfassung von Nebenwirkungen. Was die Medizin weiß, stammt überwiegend aus Fallberichten. Dabei beschreiben Ärztinnen und Ärzte einzelne Patienten ausführlich, oft mit Laborwerten und Gewebeproben. Einzeln haben solche Berichte begrenzte Aussagekraft. Gemeinsam ergeben sie bei Methasteron jedoch ein auffällig einheitliches Bild.
Das typische Muster
In einer 2008 veröffentlichten Fallserie beschrieb ein US-amerikanisches Ärzteteam vier Männer mit schwerer Gelbsucht nach der Einnahme methasteronhaltiger Produkte. Weitere Berichte aus den Folgejahren ähneln sich stark. Die Betroffenen waren meist junge, sportliche Männer ohne Vorerkrankungen. Wenige Wochen nach Beginn der Einnahme bemerkten sie Juckreiz, Müdigkeit und eine Gelbfärbung von Haut und Augen.
Im Blut zeigte sich fast immer dasselbe: Das Bilirubin stieg stark an, teilweise auf ein Vielfaches des Normalwerts. Die klassischen Leberenzyme waren dagegen oft nur mäßig erhöht. Das spricht für einen Gallenstau, also eine Störung des Gallenabflusses innerhalb der Leber, und weniger für eine Entzündung. Gewebeproben bestätigten das. Sie zeigten Galle, die sich in den feinen Kanälchen der Leber gestaut hatte.
Langsame Erholung
Auffällig war in vielen Berichten die Dauer. Auch nach dem Absetzen blieb die Gelbsucht oft wochen- bis monatelang bestehen. Einige Patienten mussten stationär behandelt werden. Der quälende Juckreiz ließ sich mit Medikamenten nur teilweise lindern. Die meisten erholten sich schließlich, doch der Weg dahin war lang und belastend.
Ein großes US-Register für arzneimittelbedingte Leberschäden hat diese Beobachtung bestätigt. Dort fielen Bodybuilding-Produkte mit versteckten Steroiden als eigene Gruppe auf. Typisch waren junge Männer, ausgeprägte Gelbsucht und ein langwieriger Verlauf. Methasteron gehörte zu den Stoffen, die in solchen Produkten nachgewiesen wurden.
Wenn die Nieren mitleiden
Einige Fallberichte gehen über die Leber hinaus. Bei sehr hohem Bilirubin kann auch die Niere Schaden nehmen. Fachleute sprechen von einer Gallenzylinder-Nephropathie. Dabei lagern sich Bestandteile der Galle in den feinen Röhrchen der Niere ab und verstopfen sie. Gleichzeitig wirkt das Bilirubin dort direkt schädlich.
Mehrere Patienten mit methasteronbedingtem Gallenstau entwickelten so ein akutes Nierenversagen. Manche benötigten vorübergehend eine Dialyse. In einem Bericht trat zusätzlich eine bestimmte Form der Nierenentzündung auf, die sogenannte IgA-Nephropathie. Ob Methasteron dabei direkt beteiligt war, ist unklar. Deutlich wird aber, dass die Folgen eines schweren Gallenstaus den ganzen Körper betreffen können.
Weitere Wirkungen auf den Körper
Neben Leber und Nieren reagieren weitere Systeme. Da kontrollierte Studien fehlen, beruhen die folgenden Punkte auf dem, was für 17α-methylierte DHT-Abkömmlinge allgemein bekannt ist, und auf Einzelbeobachtungen.
Blutfette und Kreislauf
Orale Steroide gehören zu den stärksten bekannten Senkern des HDL-Cholesterins. Dieses gilt als das „gute“ Cholesterin, weil es Fett aus den Gefäßwänden abtransportiert. Gleichzeitig kann das LDL steigen. Für Herz und Gefäße ist diese Kombination ungünstig, besonders wenn weitere Risikofaktoren wie Rauchen oder Bluthochdruck hinzukommen. Auch ein Anstieg des Blutdrucks wurde unter Methasteron beschrieben.
Die körpereigene Hormonproduktion
Das Gehirn registriert jedes wirksame Androgen im Blut und hält den Bedarf dann für gedeckt. Daraufhin schickt die Hirnanhangdrüse kaum noch Botenstoffe an die Hoden. Diese stellen ihre eigene Testosteronbildung und die Spermienreifung weitgehend ein. Wie schnell sich das nach Methasteron wieder normalisiert, wurde nie untersucht. Bei verwandten Stoffen kann es Wochen bis Monate dauern.
Haut, Haare und Psyche
- Haut: vermehrte Talgbildung und Akne sind bei DHT-Abkömmlingen häufig.
- Haare: bei erblicher Veranlagung kann sich der Haarausfall beschleunigen.
- Prostata: androgene Reize können sie vergrößern oder bestehende Beschwerden verstärken.
- Stimmung und Schlaf: Reizbarkeit, Unruhe und Schlafprobleme werden in Berichten genannt.
- Frauen: Stimmvertiefung, Bartwuchs und Zyklusstörungen; die Stimme verändert sich oft dauerhaft.
Was man weiß und was nicht
Bei einem Stoff ohne klinische Entwicklung ist es wichtig, Wissen und Vermutung sauber zu trennen. Die folgende Gegenüberstellung hilft dabei.
| Frage | Stand des Wissens | Quelle |
|---|---|---|
| Chemische Struktur | Gesichert | Chemische Fachliteratur seit den 1950er-Jahren |
| Wirkung im Tier | Beschrieben, aber nur begrenzt auf Menschen übertragbar | Ältere Rattenversuche |
| Halbwertszeit beim Menschen | Unbekannt | Keine pharmakologischen Studien |
| Leberschäden | Wiederholt dokumentiert, Häufigkeit unbekannt | Fallberichte, Leberschaden-Register |
| Nierenschäden | In Einzelfällen dokumentiert | Fallberichte |
| Langzeitfolgen | Nicht untersucht | Keine Daten |
| Nachweis im Dopingtest | Gut erforscht | Studien von Anti-Doping-Laboren |
Bemerkenswert ist die letzte Zeile. Am gründlichsten untersucht wurde Methasteron nicht von der Medizin, sondern von Dopinglaboren. Sie wollten wissen, welche Abbauprodukte im Urin auftauchen und wie lange sie sich finden lassen.
Typische Missverständnisse
„Es ist ein Prohormon, kein echtes Steroid“
Diese Behauptung war Teil der Vermarktung. Ein Prohormon ist eine Vorstufe, die der Körper erst in ein wirksames Hormon umbauen muss. Methasteron braucht keinen solchen Umbau. Es bindet selbst an den Androgenrezeptor und ist damit ein vollwertiges anabol-androgenes Steroid. Die Bezeichnung „Prohormon“ sollte vor allem den rechtlichen Status verschleiern.
„Gute Werte im Tierversuch bedeuten gute Verträglichkeit“
Die Tierversuche der 1950er-Jahre maßen ein Verhältnis zwischen Muskel- und Geschlechtsorganwirkung bei Ratten. Über Leber, Nieren oder Blutfette beim Menschen sagen diese Zahlen nichts aus. Sie wurden später gern als Werbeargument zitiert, obwohl sie für die Sicherheit keinerlei Bedeutung haben.
„Leberschutzmittel verhindern Schäden“
In Foren werden oft Präparate wie Mariendistel genannt, die die Leber angeblich schützen. Belastbare Belege, dass solche Mittel einen steroidbedingten Gallenstau verhindern, gibt es nicht. Wer sich darauf verlässt, wiegt sich in falscher Sicherheit. Ärztlich behandelt wird ein bereits eingetretener Gallenstau mit anderen Maßnahmen, und auch diese verkürzen den Verlauf nicht immer.
„Was im Laden steht, ist geprüft“
Nahrungsergänzungsmittel durchlaufen in den USA wie in der EU kein Zulassungsverfahren wie Arzneimittel. Die Hersteller sind selbst für die Sicherheit verantwortlich. Der Fall Methasteron zeigt deutlich, wie lange ein gefährlicher Stoff im Handel bleiben kann, bevor Behörden einschreiten.
Laborwerte im Überblick
Wer einen methasteronhaltigen Stoff eingenommen hat und sich ärztlich untersuchen lässt, wird wahrscheinlich auf folgende Werte geprüft.
| Wert | Typische Veränderung | Einordnung |
|---|---|---|
| Bilirubin (gesamt und direkt) | Teils stark erhöht | Leitwert für den Gallenstau, verantwortlich für die Gelbfärbung |
| Alkalische Phosphatase | Erhöht, oft weniger als erwartet | Bei steroidbedingtem Gallenstau mitunter nur leicht verändert |
| ALT und AST | Leicht bis mäßig erhöht | Hinweis auf Leberzellschäden; AST kann auch aus dem Muskel stammen |
| Kreatinin | Bei Nierenbeteiligung erhöht | Misst die Filterleistung der Nieren; bei viel Muskelmasse leicht höher |
| HDL-Cholesterin | Deutlich erniedrigt | Ungünstig für die Gefäße |
| LH, FSH, Testosteron | Erniedrigt | Zeigt die gebremste eigene Hormonbildung |
Methasteron im Sport
Methasteron ist auf der Liste der Welt-Anti-Doping-Agentur ausdrücklich mit Namen erfasst, und zwar bei den anabolen Substanzen. Untersagt ist es an Wettkampftagen ebenso wie im Training. Moderne Analysemethoden erfassen nicht nur den Wirkstoff, sondern auch mehrere Abbauprodukte. Gerade in den Jahren nach 2005 wurden Sportlerinnen und Sportler positiv getestet, die angaben, nur ein Supplement eingenommen zu haben. Nach den Regeln des Sports schützt das nicht vor einer Sperre. Wer ein Produkt einnimmt, trägt die Verantwortung für dessen Inhalt.
Rechtliche Situation in Deutschland
In Deutschland ist Methasteron aus mehreren Gründen nicht legal im Handel erhältlich. Die wichtigsten Regelungen im Überblick:
- Arzneimittelgesetz (AMG): Es gibt kein zugelassenes Arzneimittel mit Methasteron. Ein Stoff mit solch ausgeprägter hormoneller Wirkung gilt rechtlich als Arzneimittel. Herstellung, Einfuhr und Abgabe ohne Erlaubnis sind daher nicht zulässig.
- Lebensmittelrecht: Als Nahrungsergänzungsmittel darf Methasteron in der EU nicht vertrieben werden. Behörden und Gerichte stufen solche Produkte regelmäßig als nicht zugelassene Arzneimittel ein.
- Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG): Methasteron ist in der Anlage des Gesetzes genannt. Verboten ist unter anderem, den Stoff zu Dopingzwecken im Sport herzustellen, zu handeln oder abzugeben. Strafbar ist es auch, sich eine nicht geringe Menge zu beschaffen oder sie aufzubewahren. Die Grenzwerte dafür regelt eine eigene Verordnung.
- Sportrecht: Wer in einem Verein oder Verband an Wettkämpfen teilnimmt, riskiert zusätzlich Sperren nach dem Anti-Doping-Code.
Bestellungen aus dem Ausland ändern daran nichts. Der Zoll kann solche Sendungen sicherstellen, und die Staatsanwaltschaft kann ein Verfahren einleiten.
Häufige Fragen
Ist Methasteron das Gleiche wie Drostanolon?
Nein, aber die beiden sind eng verwandt. Methasteron besitzt zusätzlich eine Methylgruppe an Position 17. Sie macht den Stoff als Tablette wirksam und ist zugleich für die starke Leberbelastung verantwortlich, die bei Drostanolon als Spritze in dieser Form nicht beschrieben ist.
Warum wurde Methasteron nie ein Medikament?
Die genauen Gründe sind nicht überliefert. Der Stoff gehörte zu einer großen Zahl von Steroidvarianten, die in den 1950er- und 1960er-Jahren geprüft wurden. Nur wenige davon schafften es bis zur Zulassung. Methasteron blieb in der Frühphase stecken und wurde daher nie an Patienten getestet.
Kann sich die Leber nach einem Gallenstau vollständig erholen?
In den veröffentlichten Fällen erholten sich die meisten Betroffenen nach Wochen bis Monaten. Die Leber hat eine große Fähigkeit zur Regeneration. Trotzdem sollte die Erholung ärztlich begleitet werden, bis Bilirubin und Leberwerte wieder im Normalbereich liegen.
Ist ein Stoff ohne Östrogenbildung sanfter?
Nein. Das Fehlen der Aromatisierung beseitigt nur eine Gruppe von Nebenwirkungen. Die Belastung von Leber, Blutfetten und Hormonhaushalt bleibt. Bei Methasteron stehen ohnehin die Leberschäden im Vordergrund, und diese haben mit Östrogen nichts zu tun.
Woran erkennt man, ob ein Supplement Steroide enthält?
Für Verbraucher ist das kaum möglich. Etiketten können ungewöhnliche chemische Namen verwenden oder den Inhalt gar nicht nennen. Ein Hinweis können Werbeversprechen sein, die für ein Lebensmittel unrealistisch sind, etwa sehr schneller Muskelaufbau in wenigen Wochen. Sicherheit gibt nur eine Laboranalyse.
Fazit
Methasteron 10 mg steht für einen Wirkstoff, der nie den Weg durch klinische Prüfungen gegangen ist. Er stammt aus der Steroidforschung der 1950er-Jahre, wurde damals nicht weiterentwickelt und tauchte erst durch eine Gesetzeslücke in den USA als angebliche Nahrungsergänzung wieder auf. Was danach folgte, ist in medizinischen Fachzeitschriften gut dokumentiert: schwere, langwierige Gallenstauungen, in Einzelfällen begleitet von Nierenversagen.
Systematische Daten zur Sicherheit gibt es bis heute nicht. In Deutschland ist der Stoff weder als Arzneimittel noch als Lebensmittel verkehrsfähig und im Anti-Doping-Gesetz aufgeführt. Wer nach einer früheren Einnahme Fragen zu Leberwerten, Nierenfunktion oder Hormonen hat, findet Ansprechpartner in der Hausarztpraxis, bei Fachleuten für Innere Medizin oder in der Endokrinologie. Ärztinnen und Ärzte unterliegen der Schweigepflicht.





